Bayern hat 2025 einen neuen Tourismusrekord aufgestellt – und erstmals in der Geschichte wurden so viele Gäste aus Deutschland in Bayern gezählt wie nie zuvor. Was viele dabei überrascht: Während Tegernsee, Berchtesgaden und das Allgäu die großen Namen sind, ist der Bayerische Wald im Südosten des Freistaats ein Geheimtipp, der immer weniger geheim ist. Europas ältester Nationalpark, dichte Wälder, stille Badeseen, urige Dörfer und eine Lebensqualität, die weit entfernt von jedem Massentourismus ist – der Bayerische Wald bietet einen Natururlaub der ganz besonderen Art. Dieser Ratgeber zeigt, was die Region zu bieten hat und warum sie 2026 zu den spannendsten Urlaubszielen in Bayern gehört.
Der Nationalpark Bayerischer Wald: Wildnis vor der Haustür
1970 als erster Nationalpark Deutschlands gegründet, umfasst der Nationalpark Bayerischer Wald heute rund 24.000 Hektar unberührte Natur entlang der tschechischen Grenze. Gemeinsam mit dem angrenzenden tschechischen Nationalpark Šumava bildet er das größte zusammenhängende Waldschutzgebiet Mitteleuropas – ein echtes Wildnisgebiet, das in Deutschland seinesgleichen sucht.
Das Besondere am Nationalpark-Konzept ist das Prinzip „Natur Natur sein lassen“: Kein forstliches Eingreifen, keine Aufräumarbeiten, keine künstliche Bepflanzung. Was entsteht, ist eine dynamische Waldlandschaft, in der abgestorbene Bäume stehen bleiben, bis sie fallen – und in der sich das Leben auf engstem Raum in erstaunlicher Vielfalt entfaltet. Luchs, Wolf, Fischotter und Auerhahn sind hier heimisch; Pilze und Moose überziehen umgestürzte Stämme, und an klaren Bächen laichen Bachforellen.
Das Haus zur Wildnis in Ludwigsthal und das Hans-Eisenmann-Haus in Neuschönau sind die zentralen Besucherzentren des Nationalparks – mit Tiergehegen für Luchs, Wolf und Wildkatze sowie ausgezeichneten Ausstellungen zur Waldökologie. Ein Pflichtprogramm für Familien mit Kindern.
Wandern im Bayerischen Wald: Von sanft bis anspruchsvoll
Das Wanderwegenetz im Bayerischen Wald ist außergewöhnlich dicht und gut beschildert. Über 5.000 Kilometer markierter Wege durchziehen die Region – von kurzen Spaziergängen am Seeufer bis zu mehrtägigen Fernwanderwegen.
Baumwipfelpfad Neuschönau: Der bekannteste Erlebnisweg des Nationalparks führt auf einer barrierefreien Holzkonstruktion in die Baumkronen – auf bis zu 44 Metern Höhe, mit Panoramablick über den Nationalpark. Für Kinder und Erwachsene gleichermaßen faszinierend.
Großer Arber (1.456 m): Der höchste Gipfel des Bayerischen Waldes ist per Gondelbahn erreichbar und bietet bei klarem Wetter einen Rundblick bis zu den Alpen. Zu Fuß führen mehrere Wege hinauf, darunter der familienfreundliche Pfad über die Arberseewände.
Steinernes Meer und Rachel: Die Tour auf den Rachel (1.453 m) durch die Urwaldzone des Nationalparks gehört zu den eindrucksvollsten Wanderungen im gesamten Mittelgebirge. Keine Bergstation, kein Rummel – nur Wald, Fels und Weitsicht.
Ilztal-Radweg: Für Radfahrer und E-Bike-Nutzer ist der Ilztal-Weg von Passau flussaufwärts durch das romantische Ilztal eine der schönsten Flussradrouten Bayerns – flach, abwechslungsreich und fast vollständig autofrei.
Badeseen und Wasserspaß
Was viele nicht wissen: Der Bayerische Wald bietet neben Wald und Bergen auch kristallklare Seen, die im Sommer zum Baden einladen.
Arbersee: Der malerische Bergsee unterhalb des Großen Arbers ist einer der romantischsten Bergseen Bayerns. Keine Badeanstalt, kein Trubel – nur das stille Wasser und die Spiegelung des bewaldeten Gipfels darin.
Frauenauer Badeseen: Direkt im Ort gelegene, gepflegte Strandbäder mit Liegewiese, Sprungturm und Wasserrutsche – ideal für Familien.
Dreiburgensee in Tittling: Ein künstlich angelegter See mit Sandstrand, Tretbooten und einem Kletterpark in der Nähe – ein beliebtes Ausflugsziel für Familien aus dem gesamten ostbayerischen Raum.
Glas und Kultur: Was den Bayerischen Wald einzigartig macht
Der Bayerische Wald ist die Heimat der deutschen Glaskunst. Seit dem 15. Jahrhundert wird hier Glas geblasen, geschliffen und gemalt – eine Tradition, die bis heute lebendig ist. Die Glasstraße verbindet auf 250 Kilometern Manufakturen, Glasmuseen und Schauglasbläsereien durch die Region.
Joska Glasparadies in Bodenmais ist die bekannteste Glasdestination der Region – ein Erlebniszentrum mit Schauproduktion, Park und umfangreichem Ladengeschäft, das jährlich über eine Million Besucher anzieht.
Zwieseler Waldhaus bietet mit dem angeschlossenen Glasmuseum Frauenau einen der spannendsten Kunstzugänge des Bayerischen Waldes: Die Glasgeschichte der Region, von mittelalterlichen Waldglashütten bis zu zeitgenössischer Glaskunst, wird hier auf beeindruckende Weise erzählt.
Auch kulturhistorisch hat die Region einiges zu bieten: Die Burg Falkenstein thront auf einem Felsgipfel und bietet Blicke, die Ludwig II. zu einem Neubau inspirierten – bis er sich für Neuschwanstein entschied. Das mittelalterliche Zwiesel ist mit seiner historischen Altstadt und dem jährlichen Waldkirchner Volksfest ein lebendiges Zentrum der Region.
Die beste Reisezeit für den Bayerischen Wald
Frühling (April–Mai): Die Wälder erwachen, Wildblumen bedecken die Lichtungen, und der Nationalpark ist noch kaum besucht. Ideale Bedingungen für Wanderungen ohne Gedränge.
Sommer (Juni–August): Hochsaison mit angenehmem Bergklima. Temperaturen von 20–25 °C, lange Tage, Badeseen in voller Nutzung. An Wochenenden und in den Schulferien kann es an touristischen Hotspots voller werden – früh aufbrechen lohnt sich.
Herbst (September–Oktober): Die vielleicht schönste Jahreszeit im Bayerischen Wald. Der Wald leuchtet in hundert Goldtönen, die Pilzsaison ist auf dem Höhepunkt, und die Wanderwege gehören wieder mehr den Einheimischen.
Winter (November–März): Der Bayerische Wald ist eines der schneereichsten Mittelgebirge Deutschlands. Langlaufloipen, Alpinskigebiete am Arber und gemütliche Skihütten machen die Region auch im Winter attraktiv.
Praktische Reisetipps
Unterkunft: Von einfachen Pensionen bis zu Wellnesshotels am Waldrand bietet die Region für jedes Budget die passende Unterkunft. Ferienwohnungen sind besonders beliebt – auch für längere Aufenthalte empfehlenswert. Eine große Auswahl gibt es auf Ihre-Ferienwohnung.eu.
Anreise: Mit dem Auto ist der Bayerische Wald von München in rund 2 Stunden erreichbar (A92 oder A3). Mit der Bahn fahren Direktzüge von München nach Zwiesel und Bodenmais. Ein Mietwagen für die Erkundung der Region bietet sich an – günstige Angebote auf Mietwagen-Vergleich.cc.
BayernTicket und ÖPNV: Innerhalb der Region sind viele Ausflugsziele mit dem gut ausgebauten Busnetz erreichbar. Das BayernTicket gilt auch für Regionalbuslinien und macht den autofreien Urlaub leicht.
Nationalpark-Ranger: Kostenlose geführte Wanderungen mit Rangern finden während der gesamten Saison statt – ideal für Familien und alle, die den Wald mit fachkundiger Begleitung erleben möchten. Anmeldung über die Nationalparkverwaltung.
Fazit: Der Bayerische Wald – Bayerns unterschätztes Naturjuwel
Bayern hat 2025 einen Tourismusrekord nach dem anderen gebrochen – und der Bayerische Wald ist mittendrin. Die Region bietet das, was immer mehr Urlauber suchen: echte Natur, Ruhe, Authentizität und ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das in Bayern sonst schwer zu finden ist. Wer einmal zwischen den alten Wäldern des Nationalparks gewandert ist, eine Nacht in einer urigen Pension verbracht und beim Glasmacher zugeschaut hat, kommt immer wieder.
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